Wundervolle, bereichernde Begegnungen

„Eines Tages werden wir sterben. Aber an allen anderen Tagen werden wir leben.“ Per Olev Enquist

Die Arbeit im Hospiz habe ich mir ausgesucht, weil ich es sehr wichtig finde, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Es ist eine sehr emotionale Arbeit, die aber von wundervollen und bereichernden Begegnungen profitiert. Wir lachen und weinen im Hospiz zusammen, und ich selbst überdenke mein Leben immer wieder. Dabei lerne ich, für vieles dankbar zu sein und nicht alles als selbstverständlich anzusehen.

 

Petra Schilling
Palliativfachkraft
im Christlichen Hospiz Pforzheim/Enzkreis gGmbH

 

Lebensmelodien

Die Flöte beginnt zu spielen…

Der Pianist begleitet: abwartend, tastend, zurückhaltend, einige Akkorde im Hintergrund… Den Solisten fest im Blick, die Ohren hellwach, damit die Improvisationen und Akzente des Flötisten im Vordergrund bleiben. Denn nicht jede gespielte Note steht auf dem Notenpapier!
Reagieren auf Abweichungen der Melodie, Atempausen fast erahnend, mitgehen, wenn sich die Lautstärke und die Dynamik verändert…
…wenn der Solist sein Instrument absetzt, öffnet er dem Begleiter eigene Spielräume, vielleicht für neue Töne und Akkorde oder eine musikalische Überleitung. Setzt der Solist sein Instrument wieder an, spielt sich der Begleiter dezent in den Hintergrund und überlässt dem Melodiengeber erneut die Bühne…

Dieses „musikalische Bild“ hat mich inspiriert und es scheint mir sehr geeignet, den Part eines „Begleiters” in der hospizlichen Arbeit abzubilden.

Unsere Gäste, die Schwerstkranken und Sterbenden im Christlichen Hospiz Pforzheim, sind die Solisten. Viele verschiedene „Lebensmelodien” unserer Gäste erklingen. Manchmal in Dur und manchmal in Moll. Einmal laut und einmal leise. Oft ohne Tempoangabe, und dann ist um so mehr die Achtsamkeit der „Begleiter” gefragt.

Wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in unseren verschiedensten Arbeitsfeldern, sind die „Begleiter” unserer Gäste im Hospiz.

Und, um in der musikalischen Sprache zu bleiben:

Möge es uns täglich neu gelingen, die Lebensmelodien der uns anvertrauten Menschen mit ihren Angehörigen einfühlsam zu „begleiten”. Das vorgegebene Tempo abzunehmen, die Dynamik mitzugehen und die Pausenzeichen nicht zu übersehen. Den Blickkontakt mit dem Solisten zu halten und auch die leisesten Melodien wahrzunehmen, ohne sie zu übertönen. Dem Künstler den Vorrang zu überlassen und zeitnah zu reagieren, wenn die Tonart sich verändert.

Nur manchmal erhaschen wir einen kurzen Blick in die Partitur des Großen Komponisten. Aber oft bleibt uns dieser Blick auch verborgen, und wir müssen uns behutsam in die vorgegebene Taktart hinein tasten. Der Begleiter bleibt an der Seite des Solisten bis hin zum gemeinsamen Schlussakkord einer einzigartigen Lebensmelodie, ob in Dur oder in Moll.

 

Martin Fischer
Palliativ-Care-Fachkraft
Algesiologische Fachassistenz
im Christlichen Hospiz Pforzheim/Enzkreis gGmbH

Sterben ist Teil des Lebens

In meiner Ausbildung und Arbeit als Krankenschwester war ich zwangsläufig des Öfteren mit dem Thema Sterben konfrontiert.

Durch den Tod meines Vaters, den ich in den letzten Wochen und Tagen bis zu seinem Tod begleiten durfte, habe ich erkannt, dass mein Weg vom Krankenhausalltag hin zur Palliativpflege und Sterbebegleitung führt. Die Erfahrungen als Betroffene lehrten mich, die verschiedenen Reaktionen zu verstehen und zu akzeptieren und bewegten mich sehr. Dies war der Auslöser für meine Arbeit heute.

Die ersten Schritte in diese Richtung waren meine Ausbildungen zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin und zur Palliativfachkraft, in deren Verlauf ich durch ein Praktikum erstmals mit dem Christlichen Hospiz Pforzheim /Enzkreis in Kontakt kam.

Bei meinen Tätigkeiten im Kreis Calw, bei denen ich wertvolle Erfahrungen sammeln durfte, wurde mir immer bewusster, dass meine Berufung und mein Herz den Sterbenden und deren Angehörigen zugewandt ist.

Jeder Mensch hat bis zu seinem Ende einen würdevollen Umgang verdient. Mein Bestreben ist, mich auf die betroffene Person einzulassen, zu erspüren, was sie braucht.
Nicht nur die Erkrankung steht im Vordergrund, sondern der kranke Mensch mit seinen Bedürfnissen - das macht den Unterschied in der Begegnung, Betreuung, Begleitung. 

Gerade auch die Nöte und Hilflosigkeit der Angehörigen, speziell auch der Kinder wurden und werden mir immer wieder deutlich vor Augen geführt. Mir ist wichtig, empathisch zu sein, ihnen mit Feingefühl und Respekt entgegen zu kommen.

Auch hier ist Hilfe und Verständnis gefragt und ich möchte meinen Teil dazu beitragen. 

Für mich ist es sehr kostbar mit den Menschen in Kontakt zu kommen, gewisse Beziehungen aufzubauen.

Es ist ein Geschenk, an ihrem Leben und Sterben teilzuhaben und in dem ganz besonderen, letzten Moment zugelassen zu werden.

Ich weiß, dass das Sterben zum Leben gehört, auch wenn es schmerzlich ist!


Ursula Schlager

Palliativfachkraft
Algesiologische Fachassistenz

im Christlichen Hospiz Pforzheim/Enzkreis gGmbH

Die Tätigkeit im Hospiz bringt mir Zufriedenheit.

Da mein Mann im August 2011 nach fünf Tagen verstorben ist und ich die ganzen Tage im Haus war, war mir klar, dass für den Ablauf der Pflege und das viele andere wie Küche usw. viele Kräfte benötigt werden.

In dieser Zeit hat mich das Hospiz-Team inspiriert, hier vielleicht mitzuhelfen.

Ich habe mir schon Gedanken gemacht, was mache ich, wenn ich alleine bin.

Ich helfe gern und bin gern unter Menschen. Deshalb bin ich sehr zufrieden, ein Teil dieses Teams zu sein.

Ob ich dem Gast Essen geben kann oder einfach Zeit mit ihm verbringe oder mich mit den Angehörigen unterhalte, ich fühle mich gut dabei. Wenn ich nach Hause fahre bin ich zufrieden, dass ich hier etwas Sinnvolles und Hilfreiches tun durfte.

Ich bin dankbar, dass ich meine Kraft in diesem Ehrenamt einbringen kann. Außerdem genieße ich die Gesellschaft und die Wertschätzung des Teams.

 

Inge Freivogel
Ehrenamtliche Mitarbeiterin
im Christlichen Hospiz Pforzheim/Enzkreis gGmbH

Meine Arbeit als Ehrenamtliche.

Ich sehe mich als eines der vielen Rädchen hier im Hospiz, welche alle ineinandergreifen, um als Ganzes zu funktionieren.
Es berührt mich, dazu beizutragen, den Gästen im Hospiz ein menschenwürdiges, wertschätzendes Leben bis zuletzt zu ermöglichen.

Durch Einfühlungsvermögen, aufmerksames Zuhören, liebevolles Verstehen und so vieles mehr! Dadurch werde ich oft zur Vertrauensperson, die in viele persönliche Situationen und Gespräche eingeladen wird. Diese Begegnungen sind geprägt durch Empathie beiderseits. Ich darf immer wieder spüren was Leben ist: Echtheit, Wiederbesinnen was ist – im Jetzt.

Begleitung ist ein Weg des Lernens, des Schenkens und der erweiterten Wahrnehmung.

Stille aushalten – ohne Worte begleiten – wie schwer, und doch so wertvoll ist das.

Die Arbeit als Hospizbegleiterin lehrt mich immer wieder, mich mit meiner eigenen Biographie und dem Thema Sterben und Tod auseinander zu setzen.

Cicely Saunders sagte: „Sie sind wichtig, weil Sie eben Sie sind. Sie sind bis zum letzten Augenblick ihres Lebens wichtig. Und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben können.“

Dieser Satz begleitet mich täglich bei meiner Arbeit.
 

Petra Müller
Ehrenamtliche Mitarbeiterin
im Christlichen Hospiz Pforzheim/Enzkreis gGmbH

Hospizdienst im Ehrenamt - wie kam ich dazu?

Auftakt war eine Zeitungsnotiz, in der zu einem Infoabend ins Christliche Hospiz eingeladen wurde.

Sollte ich den Weg einschlagen, schwer erkrankte Menschen begleiten zu wollen?

Da ich mir helfende Begleitung für mich selbst in solch einer Notsituation wünsche, möchte ich mir zutrauen, diesen Dienst auch für andere Menschen zu tun.

Eine umfassende, gründliche Ausbildung in Theorie und Praxis über mehrere Monate waren das Rüstzeug für den Dienst in der Betreuung der Hospizgäste.

So bin ich nun ein „Neuling“ im Christlichen Hospiz Pforzheim und bin im Kontakt mit

- den acht Gästen und sehr liebenswürdigen Angehörigen
- dem fürsorglichen, freundlichen Leitungsteam
- den kompetenten medizinischen Mitarbeitern
- den hilfsbereiten Mitarbeitern in der Hauswirtschaft

und natürlich einem Stamm von Ehrenamtlichen, die sich um das Wohl der Gäste kümmern; immer in Absprache mit den anderen MitarbeiterInnen.

Das Christliche Hospiz ist jetzt ein Ort, dem ich mich zugehörig fühle und gerne an dessen Aufgaben mitarbeite.

Christel Jesser
Ehrenamtliche Mitarbeiterin
im Christlichen Hospiz Pforzheim/Enzkreis gGmbH

Hospizarbeit ist Herzensarbeit.

Mein Name ist Petra Koglin-Casutti. Ich arbeite als hauptamtliche Mitarbeiterin im Christlichen Hospiz.

Den Weg zur Hospizarbeit habe ich gefunden als ich eine Patientin in der Klinik vom Tag ihrer Erstdiagnose bis zu ihrem Lebensende gepflegt und begleitet habe, da wurde mir klar dies ist meine Lebensaufgabe.

Ich bin dankbar, dass mir dieser Weg gezeigt wurde und ich möchte keinen Tag missen.

Menschen in ihren letzten Lebenstagen zu begleiten, ihnen ein Stück  Lebensqualität zu schenken, mitzuerleben wie man mit kleinen Dingen ihnen eine Freude bereiten kann, gibt mir ein schönes und zufriedenes Gefühl.

Wenn ich morgens ein Zimmer betrete und mit den Worten begrüßt werde „Schön, dass Sie da sind“, kann der Tag ja nur gut werden.

Jeder unserer Gäste hinterlässt Spuren, die auch für meinen weiteren Lebensweg sehr wertvoll sind.

„Hospizarbeit ist eine Herzensarbeit!“

 

Petra Koglin-Casutti
Palliativ-Care-Fachkraft
im Christlichen Hospiz Pforzheim/Enzkreis gGmbH